Geschichte des Judo

Das Judo hat seine Wurzeln in den klassischen japanischen Kriegskünsten (koryu-bugei) und wurde seit 1882 von Jigoro Kano, seinen Mitarbeitern und Schülern weiterentwickelt und in der Lehre des sogenannten Kodokan-Judo zusammengefasst. Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts wuchs der Einfluss der Vertreter des Kodokan-Judo bei der Ausbildung der Polizei und des japanischen Militärs, da staatlich organisierte Vergleichsturniere verschiedener Schulen zugunsten des Kodokan ausgingen.

Judo in Deutschland

Bei einem Besuch japanischer Marine-Kreuzer im Jahr 1907 in Kiel und einer damit verbundenen Judo/Jujutsu Demonstration vor Kaiser Wilhelm II. wurde das Judo wohl erstmalig in Deutschland gezeigt.

Etwa zeitgleich forcierte Erich Rahn die Verbreitung des Jiu-Jitsu von Berlin aus, wodurch es Eingang in die deutsche Polizei- und Militärausbildung fand.

Nach der Aufnahme Kanos als erstes asiatisches Mitglied in das Internationale Olympische Komitee im Jahr 1909 nutzte er die geknüpften internationalen Kontakte um das Kodokan-Judo durch Vorträge und Demonstrationen bekannt zu machen und besuchte so u.a. 1928 auch Deutschland.

1929, bei einem Freundschaftskampf des ersten deutschen Jiu-Jitsu Clubs, in Frankfurt am Main mit dem Budokwai London wurde der Rahn-Schüler Alfred Rhode auf das Kodokan-Judo aufmerksam. Fasziniert von dieser in Deutschland bisher wenig verbreiteten Lehre, wurde in Frankfurt Judounterricht etabliert. Großen Anteil hatte daran auch die Zusammenarbeit der Frankfurter mit Yukio Tani und Gunji Koizumi, zwei ehemaligen Jiu-Jutsu Lehrern, die sich 1920 auf Zureden Kanos dem Kodokan angeschlossen hatten und seither den Budokwai London zu einer zentralen Verbreitungsstelle des Kodokan-Judos in Europa machten.

Als eigentliche Geburtsstunde des Judo in Deutschland gilt aber die 1932 von Alfred Rhode organisierte erste Judo-Sommerschule in Frankfurt, in deren Rahmen auch die Europäische Judo-Union gegründet wurde.

Angeregt durch zahlreiche Kano-Besuche und Lehrgänge im Jahr 1933 bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges entwickelte sich das Judo in Deutschland weiter und so fanden 1934 auch die ersten Judo-Europameisterschaften in Dresden statt.

Tod Kanos und Etablierung des Judo als olympische Sportart

1938 starb Jigoro Kano. Er hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft trotz der schwierigen geopolitischen Lage die olympischen Spiele 1940 nach Tokyo zu holen und plante dort erstmals Judo als olympische Sportart zu präsentieren. Durch die kriegsbedingte Absage Japans dieser Spiele nur wenige Wochen nach Kanos Tod dauerte es jedoch bis zum Jahr 1964 bis die olympischen Spiele in Tokyo stattfinden konnten und Judo, nach langem Ringen, erstmals als olympische Sportart ausgeübt werden konnte. Heute zählt der deutsche Judobund etwa 200 000 Mitglieder und ist damit der größte Kampfsportverband Deutschlands.

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